Wildbienen

Nisthilfen
Wenn Sie in Ihrem Garten eine Wildbienen-Nisthilfe aufstellen möchten, finden Sie bei uns eine leicht verständliche Bauanleitung.

Wie sagte doch schon Goethe: Man sieht nur, was man weiß. Und so fliegen Wildbienen oft ungesehen an uns vorbei, obwohl der eine oder andere sie vielleicht sogar schon seit langem in seinem Garten hat!

Der Grund dafür ist einerseits, dass der Laie manche Arten häufig mit der Honigbiene verwechselt. Denn einige Wildbienen ähneln den Honigbienen tatsächlich in Größe und Farbe. Und so kommt es oft vor, dass eine vorbeifliegende Wildbiene für eine von unseren Imkern gepflegte Honigbiene gehalten wird. Verantwortlich für die häufigen Verwechslungen, auch mit anderen Insekten wie Wespen oder fliegenden Ameisen, ist andererseits die große Artenvielfalt, die dafür sorgt, dass die vielen Wildbienenarten ganz unterschiedlich und tatsächlich häufig nicht nach "Biene" aussehen. Zählt man all diese unterschiedlichen Arten zusammen, so kommen wir alleine in Deutschland auf eine stattliche Zahl von etwa 550 verschiedenen Wildbienenarten. Sie alle unterscheiden sich nicht nur im Aussehen, sondern auch in ihren Verhaltens- und Lebensweisen sehr stark voneinander!

Im Folgenden wollen wir eine kleine Übersicht über das Leben der Wildbienen geben. Ausführlichere Infos bekommen Sie bei uns im Umweltzentrum, z.B. aus verschiedenen Büchern und unserer Broschüre "Wildbienen - heimliche Helfer im Garten" oder natürlich von uns persönlich.

Wie leben Wildbienen?

Wildbienen leben im Vergleich zu Honigbienen größtenteils solitär (= einzeln lebend). Sie sammeln ebenfalls Blütenpollen und -nektar, produzieren allerdings keinen Honig. Da sie also keine Honigvorräte verteidigen müssen, sind sie besonders friedliche und sanftmütige Insekten.

Jede Generation lebt nur eine Saison und stirbt mit Beginn des Winters. Die bereits fertigentwickelten Bienen in den Brutzellen schlüpfen im Frühjahr und Sommer des nächsten Jahres. Aufgrund der unterschiedlichen Flugzeiten ist ein reichhaltiges Pollenangebot, welches über das ganze Jahr verteilt ist, sehr wichtig.

Der Nestbau ist ein weiterer Punkt, in dem sich die Wildbienen von den Honigbienen unterscheiden. Je nach Art bauen sie ihre Nester in Stein, Erde, Stängel oder Holz. Es gibt auch generalistische Arten, die in unterschiedlichen Hohlräumen nisten, je nachdem was zur Verfügung steht.

Die tägliche Mahlzeit der Wildbienen

Beachtet man ein paar Kleinigkeiten, kann man seinen Garten schnell in eine reichhaltige Nahrungsquelle für Wildbienen verwandeln, in der sie von Februar/März bis Oktober stets genug Pollen und Nektar finden.

Ein paar Beispiele für Garten-, Balkon- und Kübelpflanzen

Frühling: Schneeglöckchen, Winterling, Blaukissen, Ringelblume

Sommer: Ringelblume, Kamille, Alant, Fetthenne, Scharfer Mauerpfeffer, Wollige Strohblume, Rankenglockenblume, Sonnenblume

Herbst: Ringelblume, Kamille, Staudenlupine, Herbstaster

Eine weitere Nahrungsquelle für Bienen bieten außerdem auch Gartenkräuter. Hierfür bietet sich z.B. das Anlegen einer Kräuterspirale an. Mit Salbei, Majoran, Thymian und Co. dient diese nicht nur rein dekorativen Zwecken, sondern findet ebenfalls in der Küche Verwendung. Mehr Infos hierzu, einen Pflanzplan und die anschließende richtige Pflege finden Sie in unserer Broschüre "Die Kräuterspirale".

In der Kinderstube

Die Weibchen beginnen im Frühjahr (je nach Art) Brutkammern einzurichten. In die Brutkammern wird ein eiweißreicher Pollenvorrat (Bienenbrot) eingetragen, von dem sich die Larven später ernähren. Mit diesem Proviant müssen sie auskommen bis sie im Herbst zu ihrer vollen Größe herangewachsen sind. Die Wintermonate verbringen die Larven in einem Kokon, den sie aus eigenen Drüsensekreten spinnen, in der Brutzelle. Im Frühjahr schlüpft dann die fertig entwickelte Biene und beginnt mit dem Sammeln von Pollen für ihren eigenen Nachwuchs. Nach der Ablage der Eier in die Brutzellen betreiben die Weibchen keine weitere Brutpflege. Es ist daher überlebenswichtig, dass sie in ihrer Flugsaison ein ausreichendes Blütenangebot finden.

Wo leben Wildbienen?

Jede Art hat ihre eigenen bevorzugten Nistplätze und damit auch ihre eigene Bauweise der Nester.

Hier nur drei von unzähligen möglichen Nistplätzen

Erdnistende Bienenarten: Von trockenen, sandigen Böden über ebene Flächen an Wald-, Feld- und Wiesenrändern bis zu Lehmgruben wird alles besiedelt. Jede Art (z.B. Sandbienen) hat dabei ihre speziellen Vorlieben. Leider sind gerade diese Nistplätze durch die zunehmende Flächenversiegelung des Menschen sehr gefährdet. Einige Wildbienen haben sich an die Veränderungen gewöhnt und nisten auch an Parkplatzrändern, selten genutzten Sportplatzecken oder sogar in lehmverputzten Hauswänden von Fachwerkhäusern.

Am Fels nistende Arten: Einige Arten von z.B. Mauer- und Mörtelbienen "kleben" ihre Nester direkt an den freien Fels. Sie produzieren mit Speichel, Sand, Harz oder anderen Materialien eine haftende Masse, mit der die Nester an oder zwischen den Steinflächen gebaut und befestigt werden. Oder sie nutzen die verwinkelten Zwischenräume als Nistplatzmöglichkeiten.

Bewohner von Stängeln und Zweigen: Diese Arten (z.B. Masken- oder Blattschneiderbienen) nutzen bevorzugt abgeknickte markhaltige Stängel oder Zweige, etwa von Holunder, Forsythien, Disteln, Königskerzen, Stachel-, Brom-, und Himbeeren. Die Bienen nagen das weiche Mark aus, entfernen es und bauen in die entstandenen Hohlräume ihre Brutkammern.

Löcherbesiedler: Diese Arten bauen ihre Nester meistens in schon vorhandene Hohlräume. Ihnen dienen beispielsweise Fraßgänge von Käfern oder Holzwespen als Nistgelegenheit. Für diese Arten sind Nisthilfen am einfachsten herzustellen.

Weitere Informationen zu Wildbienen

Sehr ausführliche Informationen zum Thema finden Sie auf Paul Westrichs Seite Faszination Wildbienen.

"Die Wildbienen Baden-Württembergs" von Paul Westrich, Eugen Ulmer Verlag 1989, ISBN 3-8001-3307-5.

"Wildbienen - Die anderen Bienen" von Paul Westrich, Verlag Dr. Friedrich Pfeil 2011, ISBN 978-3-89937-136-9.

Die Bücher finden Sie auch in unserer Bibliothek und können gegen eine geringe Gebühr ausgeliehen werden.