Weltweit werden jährlich ca. 1,3 Milliarden Tonnen essbare Lebensmittel unnötigerweise weggeworfen, allein 18 Millionen Tonnen in Deutschland – ob nach der Ernte, bei der Weiterverarbeitung, im Großhandel, im Restaurant oder bei uns zu Hause. Das entspricht in Deutschland fast dem Drittel an Nahrungsmitteln die tatsächlich verbraucht werden. Von dieser Lebensmittelverschwendung wären bereits heute fast zehn Millionen Tonnen vermeidbar.

Rechnet man die Fläche an Acker- und Grünland, die für die Herstellung dieser 18 Millionen Tonnen benötigt werden um, lässt sich feststellen, dass die Erträge von beinahe 15% der Flächen am Ende in der Tonne landen. Doch nicht nur Agrarrohstoffe sind damit umsonst eingesetzt, jedes weggeworfene Lebensmittel hat einen eigenen individuellen Klimafußabdruck, der nicht zu unterschätzen ist. Bei den Treibhausgasemissionen, die bei der Düngung frei werden angefangen, werden bei Transport, Lagerung, Kühlung, Weiterverarbeitung, Verkauf und letztendlich der Entsorgung Emissionen frei. Insgesamt fast 22 Millionen Tonnen Treibhausgase allein für die weggeworfenen noch essbaren Tonnen Lebensmitteln. Das ist ungefähr das Doppelte an Ausstoß der deutschen Abfallwirtschaft.
Ursachen für Lebensmittelverschwendung
Die Ursachen sind vielfältig.
Es fängt bereits auf dem Acker an, denn aufgrund strenger Handelsnormen und hohen Anforderungen von Supermärkten und der weiterverarbeitenden Lebensmittelindustrie wird ein Teil der Ernte bereits auf dem Feld aussortiert.
Während der Weiterarbeitung entstehen Verluste durch Transportschäden, falsche Lagerung oder technische Ursachen. In der Gastronomie liegt es unter anderem an der schlechten Planbarkeit, der Überproduktion bei Buffets oder zu großen Portionen, die in Teilen wieder in die Küche zurück gehen. Oft fehlt das Wissen, an welcher Stelle wie viele Lebensmittelabfälle anfallen und wie viel dies in der Gesamtheit pro Tag, Woche oder Monat ist.
Auch im Groß- und Einzelhandel werden große Mengen Lebensmittel weggeschmissen. Bereits eine einzelne verdorbene Zitrone im Netz oder eine Tomate in der Kiste reichen aus, dass der ganze Inhalt weggeworfen wird. Auch Lebensmittel die abgebrochen ankommen oder auf dem Boden lagen werden weggeworfen. Zudem sind Geschäfte an das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) gebunden und dürfen die Ware, wenn das MHD erreicht ist, nicht mehr verkaufen.
Die Anreize von Großpackungen und Angeboten beim Kauf mehrere Artikel, die falsche Lagerung zuhause, mangelhafte Einkaufsplanung und das Sehen des MHD als Wegwerfdatum führen schließlich auch in Privathaushalten zu großen Mengen weggeworfener Lebensmittel.
Doch was können wir gegen Lebensmittelverschwendung tun?
Fast 6 Millionen Tonnen werden allein durch Großverbraucher wie Gastronomie und Kantinen, sowie Groß- und Einzelhandel verschwendet, wobei sich 70-90% dieser Abfälle vermeiden ließen. Durch verbessertes Management entlang der Wertschöpfungskette, ein Umdenken im Verbraucher*innenverhalten sowie durch veränderte Marketingstrategien wäre diese Lebensmittelverschwendung vermeidbar. Bereits durch einfache Maßnahmen wie die transparente Erfassung des Lebensmittelabfalls oder das Angebot verschiedener Portionsgrößen hat sich in anderen Ländern gezeigt, dass Lebensmittelabfälle bis zu 40% weniger vorkommen. Gerade Bildungseinrichtungen und öffentliche Kantinen haben dabei eine Vorbildfunktion.
Auch wir selbst müssen in unserem Konsum und den Gewohnheiten dabei umdenken. Lebensmittel müssen mehr wertgeschätzt werden, denn es ist gar nicht so schwer Lebensmittelabfälle zu vermeiden. Lebensmittel wie Obst und Gemüse sind natürliche Produkte, die nicht immer perfekt aussehen müssen. Auch ein Apfel mit einem kleinen Wurmloch, eine braune Banane oder eine Tomate mit Riss sind noch gute Lebensmittel, für die es Wege gibt, sie zu verbrauchen.

Kleine braune Stellen, die ein Wurmloch hinterlässt, lassen sich herausschneiden, eine braune Banane lässt sich super zu Bananenbrot verarbeiten oder in Müsli löffeln und eine Tomate mit Riss schmeckt genauso wie eine ohne.
Wer häufig zu viel einkauft, kann damit beginnen Listen schreiben und ganz genau zu planen, was es in der nächsten Zeit zu essen geben soll und wie die dabei anfallenden Reste verwertet werden können. Überschüssiges kann auch eingefroren oder an Freund:innen und Nachbar:innen weitergeben werden und oftmals ergeben sich aus den Resten mit etwas Kreativität leckere Mahlzeiten. Zudem sollte das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht als Stichtag zum Wegwerfen angesehen werden. Durch Riechen oder Probieren kann die Verzehrbarkeit geprüft werden, meist halten auch angebrochene Produkte länger als draufsteht.
Wenn Lebensmittel falsch geplant wurden, etwa durch einen Einkauf vor einem Urlaub, aufgrund dessen kurz vor Abreise noch Lebensmittel übrig sind, können diese an Freund*innen und Nachbar*innen übergeben oder eingefroren werden. Geht dies nicht, gibt es auch andere Stellen wie etwa die Initiative Foodsharing, die sogenannte Fairteiler anbieten. Das sind Regale und Kühlschränke, an welchen Lebensmittel kostenfrei abgegeben oder abgeholt werden können. Außerdem gibt es sogenannte Essenskörbe, bei denen du deine überschüssigen Lebensmittel anbieten oder die von anderen Personen abholen kannst. Auf dieser Karte kannst du nachschauen, ob es so etwas in deiner Nähe gibt. Foodsharing agiert Deutschlandweit und auch in Tübingen sorgt Foodsharing Tübingen durch die Verteilung von Lebensmitteln, die von Lebensmittelbetrieben weggeworfen würden dafür, dass weniger Lebensmittel in der Tonne landen, die eigentlich noch genießbar sind.
Weitere Initiativen in Tübingen, die sich mit Ernährung und einem sorgfältigeren Umgang mit Nahrungsmitteln auseinandersetzen sind etwa der Ernährungsrat Region Tübingen und Rottenburg e.V., dessen Mitglieder sich für eine lokale, soziale und ökologische Ernährungsversorgung einsetzen und dabei nicht nur Konsument*innen und Produzenten an einen Tisch bringen wollen, sondern auch Verwaltung und Politik.
Ebenso setzt sich das Foodsharing-Café Mehrrettich mit einer sozialen und ökologischen Ernährungsversorgung auseinander. Dieses Café bietet gerettete Lebensmittel in Form von zubereiteten Mittag- oder Abendessen, sowie einzeln und kostenlos an und trägt damit einen Teil dazu bei, dass noch essbare Lebensmittel nicht in der Tonne landen müssen. Zudem können auch im Mehrrettich kostenlos Lebensmittel abgegeben werden.