Der wichtigste Grundsatz für einen naturnahen Garten lautet: Machen Sie sich so wenig Arbeit wie möglich! Das kann bedeuten:
- Nicht jedes Wochenende mähen. Für Insekten und Kleinstlebewesen ist es sogar am besten, wenn Sie nur zweimal jährlich mähen (Anfang Juni und Mitte September). Beim Mähen sollte generell aber in Etappen gemäht und immer etwas hohes Gras stehengelassen werden, um den Tieren Zuflucht zu bieten. Lassen Sie das gemähte Gras ruhig auch etwas liegen. Sich darin befindende Tiere können somit noch entkommen.
- Nicht jedes Unkraut sofort entfernen. Was für uns Unkraut ist, ist für manches Tier überlebenswichtig.
- Nicht zum chemischen Unkraut- oder Schädlingsbekämpfungsmittel greifen. Solche Mittel töten auch wertvolle andere Arten.
- Nicht im Herbst sofort den Blätterhaufen wegräumen. Lediglich auf Rasenflächen sollte das Laub weggeräumt werden, da es dort zu Fäulnis kommen kann. Auf anderen Flächen schützt Laub vor Frost, Erosion und Austrocknung und fungiert als Dünger und Schutzraum für Nützlinge wie Igel und Insekten. Wenn das Laub weggeräumt wird, sollte zumindest auf Laubsauger verzichtet werden. Mehr Infos dazu finden Sie auf der Seite des NABU.
- Nicht auf Exoten oder Zierformen zurückgreifen; bleiben Sie bei heimischen, insektenfreundlichen Pflanzen.

Wichtig ist immer, dass der naturnahe Garten dabei nicht unordentlich aussehen muss. Beete mit den richtigen Pflanzenarten können – ebenso wie eine Blumenwiese – naturnah und ein Genuss für das Auge sein. Lassen Sie Teile Ihres Gartens wachsen und mähen Sie diese nur maximal zweimal im Jahr. Dadurch entstehen Bunte Wiesen oder Ecken und Sie unterstützen natürliche Prozesse und arbeiten mit der Natur zusammen. Verschiedenen Lebewesen wie Insekten, Vögeln und Kleinsäugern bieten sie so Lebensraum, Rückzugsorte und Nahrungsquellen. Wichtig ist, dass die Natur Zeit braucht um diesen neuen Lebensraum zu erschließen. Sie können sich also jedes Jahr über etwas mehr Biodiversität in ihrem Garten freuen. Weitere Informationen finden Sie bei der Bunten Wiese Tübingen.
Wildbienen

Unter anderem helfen Sie mit einem naturnahen Garten auch den Wildbienen. Sie bieten ihnen einen Lebensraum und Nahrung. Oft werden Wildbienen mit den eher bekannten Honigbienen verwechselt, da manche Wildbienenarten den Honigbienen im Aussehen ähneln. Jedoch nisten Wildbienen in der Erde, in Felsen oder in Stängeln und Zweigen und auch ihre Lebensweise unterscheidet sich von denen der Honigbienen. Es gibt eine sehr große Artenvielfalt von Wildbienen. Allein in Deutschland leben über 600 Arten. Doch die Wildbienen sind wie viele Insektenarten vom Insektensterben betroffen. Mit einem naturnahen, bienenfreundlichen Garten tun Sie den Wildbienen einen großen Gefallen.
Anleitungen und Wildbienen-Geschichte zum herunterladen
Wenn Sie den Wildbienen noch mehr helfen möchten, finden Sie hier eine Anleitung für Wildbienen-Nisthilfen zum selber bauen, sowie hier eine vereinfachte Anleitung für Kinder.
Wenn Sie Sand- und Erdbienen einen Nistplatz bieten wollen, finden Sie hier eine Anleitung für die Anlage eines Sandariums.
Außerdem haben wir eine kleine illustrierte Geschichte für Kinder über die Herausforderungen und das Leben einer Wildbiene, die sie hier ansehen oder zum Druck herunterladen können.
Weitere Tipps für einen naturnahen Garten:
- Insekten- und Vogeltränken aufstellen: gerade in den heißen Sommermonaten leiden Tiere und Pflanzen an der Trockenheit. Dem kann durch geeignete Wasserstellen im Garten Abhilfe geschaffen werden. Aber auch im Winter sind beheizte Wasserstellen gerade für Vögel eine große Hilfe.
- Nutzen Sie Ihren Rasenschnitt. Als Mulch oder Kompost kann dieser sinnvoll in Beeten eingesetzt werden, um Dürre und Nährstoffmangel vorzubeugen,
- Misch-Kulturen. Pflanzen Sie verschiedene Gemüse- und Kräutersorten nebeneinander im Beet und tauschen Sie zwischen den Jahren durch, wo welche Sorten wachsen, um das ökologische Gleichgewicht zu unterstützen.
- Wasser. Legen Sie sich wenn möglich eine Regentonne zu, um Ressourcen zu sparen.
- Torffreie Blumen- & Pflanzerde. Achten Sie beim Kauf Ihrer Pflanzenerde unbedingt darauf, torffreie Varianten zu kaufen. Durch den Abbau von Torf werden wertvolle Moorlandschaften zerstört.
- Nisthilfen für möglichst viele Tierarten. Nistkästen für Vögel oder Fledermäuse, Ohrenkneifer-Behausungen aus Tontöpfen oder Wildbienennisthilfen in Form von Insektenhotels oder Sandarien.
- Legen Sie Bunte Wiesen oder Ecken an. Das bedeutet die Einsaat von heimischen und insektenfreundlichen Blühmischungen oder das Wachsen lassen von allem, was im Garten kommt wenn kein Rasen eingesät und nur wenig gemäht wird. Wichtig ist, dass die Natur Zeit braucht um diesen neuen Lebensraum zu erschließen. Sie können sich also jedes Jahr über etwas mehr Biodiversität in ihrem Garten freuen, vor allem wenn Sie maximal zweimal im Jahr mähen. Weitere Informationen dazu finden Sie bei der Bunten Wiese Tübingen.
- Legen Sie einen naturnahen Gartenteich an, eine Anleitung dazu finden Sie auf der Seite des NABU. Ein Teich bietet einen Lebensraum für weitere Pflanzen und Tiere an und trägt einen großen Teil dazu bei, dass sich die Tiere in ihrem Garten wohlfühlen, die bereits dort sind. Ein Teich dient nicht nur als Wasserquelle für alle Arten von Tieren die dorthin kommen um zu trinken, sondern auch als Ort an dem Vögel sich putzen und der das Klima in ihrem Garten positiv verändern kann.
- Bauen Sie Steinhaufen oder Trockenmauern. Diese dienen als Verstecke und Lebensraum für viele verschiedene Insekten und sind leicht in ihrer Anlegung und Handhabung. Informationen darüber, welche Materialien und Pflanzen dafür geeignet sind, finden Sie hier.
Die richtigen Blumen(-saatmischungen) finden
Wenn Sie neue Pflanzen durch die Aussaat von Samen oder durch das Einpflanzen bereits gewachsener Blühpflanzen in Ihren Garten bringen wollen sollten Sie einiges beachten:
- Bepflanzen Sie ausschließlich mit heimischen Pflanzen. Neu eingebrachte, nicht heimische Pflanzen (Neophyten) können einige Probleme mit sich bringen. So können sie sich unkontrollierbar im eigenen Garten aber auch auf benachbarten Flächen ausbreiten und die heimische Flora verdrängen und somit unsere heimische Biodiversität und ganze Ökosysteme beeinflussen und beeinträchtigen. Informieren Sie sich daher vor dem Ausbringen der Pflanzen in ihrem Garten über deren Herkunft und Eigenschaften.
- Achten Sie auf insektenfreundliche Pflanzen. Pflanzen die pollenarme und gefüllte Blüten besitzen eignen sich als Nahrungsquelle nur für die anspruchslose Honigbiene. Alle anderen heimischen Bienen- und Insektenarten sind an solche Blüten nicht angepasst und finden in Ihrem Garten somit keine Nahrung. Achten Sie also beim Kauf auf pollenreiche und nicht gefüllte Blüten.
- Schauen Sie genau hin wenn Sie Saatmischungen kaufen. Diese versprechen oft Insektenfreundlichkeit, sind aber oftmals nur für wenig bis keine Bienenarten wirklich nützlich. Informieren Sie sich daher gerne über die genauen Anforderungen für bestimmte Bienenarten und pflanzen Sie gezielt deren Futterpflanzen.

Weitere Informationen:
- UWZ Broschüre: „Wildbienen – heimliche Helfer im Garten“
- auf Paul Westrichs Seite „Faszination Wildbienen„
- „Die Wildbienen Baden-Württembergs“ von Paul Westrich, Eugen Ulmer Verlag 1989, ISBN 3-8001-3307-5.
- „Wildbienen – Die anderen Bienen“ von Paul Westrich, Verlag Eugen Ulmer 2024, ISBN 978-3-8186-2086-8.
- https://www.buntewiese-tuebingen.de/ – Informationen zur Förderung der Artenvielfalt
- „Mähen mit der Sense“- neue Sensenkurstermine finden Sie hier.